Hafenkran reloaded? #2

Thursday, 28. July 2011 at 19:31 Uhr

Quelle: tagesanzeiger.ch

Aus dem Interview mit Stadträtin Ruth Genner

Kritiker sagen, es sei unverhältnismässig, Geld für Kunst auszugeben, wenn man den Angestellten der Stadt die Löhne nicht erhöhen kann. Was sagen Sie dazu?
Man kann immer darüber streiten, ob Kunst im öffentlichen Raum Aufgabe des Staates ist oder nicht. Gleich wie man fragen kann, ob wir gestaltete Plätze oder einfach nur geteerte, trostlose Flächen wollen. Mich fasziniert das Projekt «Zürich transit maritim», weil es sich mit den Ursprüngen Zürichs auseinandersetzt. Da, wo Zürich steht, war einst ein Meer. Spuren davon findet man im Boden. Jetzt können wir uns fragen, was es bedeuten würde, wenn das Meer wieder käme.

Warum kein Sägewerk? An jener Stelle war “früher” auch mal alles mit Wald bedeckt.
Den Versuch, einen Hochsee-Hafenkran mit einem urzeitlichen Meer und der Stadt Zürich in Verbindung zu bringen, finde ich schon ziemlich abenteuerlich – aber irgendwie auch kreativ. Zudem sollte der Hafenkran besser auf dem Uetliberg stehen sollte das Meer je wieder zurückkommen, denn das Wasser wird wahrscheinlich nicht bei 400 Höhenmeter halt machen – auch nicht aus Respekt vor dem Hafenkran.

Welche trostlosen Flächen Frau Genner meint, bleibt für mich unklar, denn ich kenne keine in der Stadt Zürich. Nein, ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass die Stadt Zürich sehr wenig freie Flächen zur Verfügung hat. Möglicherweise ist Sie der Meinung, dass ein Objekt auf einer Fläche die Attraktivität einer freien Fläche am besten wiedergibt 🙂

Hafenkran reloaded?

Wednesday, 27. July 2011 at 13:44 Uhr

Quelle: tagesanzeiger.ch

Zweimal schon wurden Kredite für den umstrittenen Hafenkran aus dem städtischen Budget gestrichen. Die Medien bezeichneten das Projekt als «politisch erledigt», Politiker betitelten das Werk als «Hafenkäse» und «Gugus-Projektli». Im Jahr 2012 will die Stadt wieder Geld für das Projekt ausgeben. «Wie Mitglieder der zuständigen Kommission bestätigten, ist der Kredit für den Hafenkran im Budget 2012 eingestellt», schreibt die NZZ heute Dienstag. Der Gemeinderat wird im Herbst also aller Voraussicht nach erneut darüber streiten, ob für das Projekt nun Steuergelder aufgewendet werden dürfen oder nicht.

Schon wieder?
Es wird peinlich und die Kommission sollte im Angesicht der diversen und nötigen Sparmassnahmen im Zürcher Haushalt das Quengeln lassen, den Hafenkran immer wieder in das Budget drücken zu wollen.

Wenn die Befürworter des Projektes “zürich-transit-maritim” so von diesem Hochsee-Hafenkran überzeugt sind, dann sollten sie sich das Geld doch in der Privatwirtschaft besorgen. Ich habe aber da stark meine Zweifel, ob die Geldgeber den kulturellen Sinn und den Mehrwert für Zürich erkennen können und sich an der Finanzierung beteiligen.

Diese Art der Geldbeschaffung würde ich zudem als künstlerisch wertvoll ansehen und moralisch unterstützen 🙂

Preisüberwacher droht dem Bund

Sunday, 24. July 2011 at 20:32 Uhr

Quelle: tagesanzeiger.ch

«Bis zu einer Milliarde Franken» könnte der Bund im Gesundheitswesen jährlich einsparen, wenn er seinen Empfehlungen folgen würde, sagt Preisüberwacher Stefan Meierhans.

Im Interview mit der «SonntagsZeitung» zeigt er auf, wo die Summe mit dem notwendigen Willen rasch eingespart werden könnte. Allein dank dem Preisvergleich mit dem Ausland gibt man heute 550 Millionen Franken im Jahr weniger für Originalmedikamente aus.

Sparpotenzial in nochmals demselben Umfang ortet er etwa bei der Senkung der umsatzabhängigen Absatzmarge der Apotheker und der Selbstdispensationsärzte. Und mit Festbeträgen der Kassen für Wirkstoffe liesse sich der Generika-Anteil erhöhen, sagt Meierhans. Meierhans verlangt vom zuständigen Innendepartement, nicht bis zum nächsten Prämienschub zu warten, sondern seine Empfehlungen umzusetzen.

Die Pharmaunternehmen stehen einem Preisabschlag der Medikamente kritisch gegenüber. Novartis-CEO Joe Jimenez stellt einen Stellenabbau in Aussicht, sollten die Medikamentenpreise in der Schweiz wegen des starken Frankens gesenkt werden. «Wir wären gezwungen, unsere Kosten in der Schweiz drastisch zu senken. Ohne Stellenabbau ginge das nicht», sagt der Chef des Pharmakonzern im Interview der «SonntagsZeitung».

Bei den derzeitigen Wechselkursen würden die Preise für einzelne Produkte um rund 20 Prozent sinken. Das könne Novartis nicht hinnehmen. «Ich hoffe wirklich, dass den Schweizer Politikern klar ist, dass die Pharmaindustrie die grösste Exportbranche des Landes darstellt, und Preissenkungen im Heimatmarkt nicht unbemerkt bleiben», so der Novartis-Lenker.

Die selbe Leier und die gleichen latenten Drohungen von Stellenabbau und Abwanderung ins Ausland, hörte man auch, als der Schweizer Franken noch nicht die heutige Stärke hatte. Ein Unternehmen wie Novartis kann auch einen Stellenabbau durchführen, ohne den Grund zu haben, die Preise ihrer Medikamenten um 20 Prozent senken zu müssen. Dies wäre schon längst geschehen wenn Novartis in diesem Bereich Einsparungspotential gesehen hätte, denn wie ein Forum Teilnehmer richtig bemerkte: Novartis ist kein Wohltätigkeitsverein.

Für die Einsparung von einer Milliarde Franken könnte die Schweiz ein Jahr lang, 10’000 Personen für je 100’000.- Franken finanzieren, sollten diese einem Stellenabbau seitens Novartis zum Opfer fallen.
Ab dem zweiten Jahr sparen dann die Prämienzahler dieses Geld ein und die ehemaligen, gut ausgebildeten Novartis Mitarbeiter arbeiten dann bei einem anderen Unternehmen.

Dies ist meine Antwort zum Thema Drohungen…

So wird die Abtreibungsinitiative schmackhaft gemacht

Wednesday, 6. July 2011 at 19:35 Uhr

Quelle: tagesanzeiger.ch

Der Nationalrat Peter Föhn wollte eigentlich nur den Leistungskatalog der Krankenkassen säubern. Es war Sommer 2009 und der nächste Prämienschock kündigte sich an. In einer Motion verlangte er, Leistungen wie Abtreibungen oder Schönheitsoperationen aus dem Pflichtkatalog zu streichen.

Doch dann klopften verschiedene Institutionen beim Schwyzer SVP-Politiker an, die sich seit der 2002 vom Volk genehmigten Fristenlösung schwer tun mit Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs in den ersten zwölf Wochen, und sie regten eine Volksinitiative an. So entstand die Initiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache».
[…]
Die Initiative habe wenig Chancen, sagen befragte Experten. Insbesondere mit ethischen oder religiösen Argumenten hole man nicht viele Wähler ab. «Es gibt heute keine Mehrheit für eine restriktivere Regelung der Abtreibung», sagt Politologe Daniel Kübler. Bessere Chancen haben die Initianten, wenn sie ganz auf das finanzielle Argument setzen. «Das finanzielle Argument zählt sicher mehr als das moralische», sagt Dorothea Lüddeckens, Religionswissenschaftlerin an der Universität Zürich.

Religiös motivierte Initiativen haben in einer säkularisierten Gesellschaft nichts verloren.
Ich kenne da auch noch Leistungen die man aus dem Pflichtkatalog der Grundversicherung streichen könnte und die nach der Logik von Herrn Peter Föhn auch unter “Privatsache” fallen müssten:

– Krebsvorsorge und -behandlung bei Rauchern
– Lebertransplantation bei Alkoholikern
– Notoperation nach selbst verschuldetem Unfall mit überhöhter Geschwindigkeit
– Beinbruch nach Skiunfall
– …

Als ob eine Abtreibung ein lustiger Event wäre die eine Frau als Kick sucht, um den grauen Alltag hinter sich zu lassen. Um wirklich bei den Gesundheitsausgaben sparen zu wollen, sollten wir erst die grossen Kostenpositionen ins Auge fassen und angehen. Medikamentenpreise wären doch mal ein Anfang… oder ist dies eines Sommerlochs nicht würdig Herr Föhn?

Die Zukunft findet ohne Ticket statt

Saturday, 2. July 2011 at 20:20 Uhr

Quelle: tagesanzeiger.ch

Künftig muss man nicht mehr ans Billett denken. Die SBB arbeiten an einem landesweiten System, mit dem Bahn-, Tram- und gar Seilbahnfahrten automatisch abgerechnet werden.

Es sieht aus wie eine etwas dick geratene Kreditkarte, das universelle drahtlose elektronische Ticket. Neben einem Computerchip enthält es eine Antenne und eine winzige Batterie. Mit dem E-Ticket in der Tasche wird man Züge, Trams und Busse benützen, ohne ans Billett oder ans Abonnement denken zu müssen. Sensoren in den Wagen registrieren, welche Wege wir zurücklegen, indem sie die E-Tickets aller Personen an Bord erfassen, sobald die Türen zu sind. Am Monatsende kommt die detaillierte Abrechnung, genau wie beim Telefon.

Soweit so gut…

Als erste Etappe sieht SBB-Experte Garcia ab 2014 die Ablösung der heutigen Abonnemente durch die «ÖV-Karte» der neuen Technik. Die Erfassung der Wege würde zunächst noch nicht automatisch vorgenommen: Die Reisenden weisen bei der Kontrolle statt ihres Abonnements die Karte vor, die der Kondukteur kontaktlos ablesen könnte, sein rotes mobiles Terminal wird dann dafür eingerichtet sein.

In einer nächsten Phase, frühestens ab 2018, würden Sensoren in den Wagen über Funk automatisch die Daten aller Passagiere abfragen, die Chipkarten könnten in den Taschen bleiben. Den Entscheid dafür müssten wiederum die SBB, die Transportunternehmungen, Tarifverbünde und der Verband der öffentlichen Verkehrsunternehmen (VÖV) fällen.
[…]
Die Technik ist klar: Einmal täglich senden die Geräte in den Wagen die erfassten Daten an eine Zentrale. Dort werden die Daten ausgewertet und wird die Abrechnung erstellt; auf der Karte werden keine Tarifdaten gespeichert. Der Prozess findet nicht in Echtzeit statt, es ist also unmöglich, den Aufenthaltsort einer Person festzustellen.

Nicht in Echtzeit? Die Transportunternehmen verzichten tatsächlich auf den Zugriff der Daten in Echtzeit? Ich vermute dahinter eher die Taktik, dieses System mit diesem “Ausschluss” Salonfähig zu machen um später die Verfügbarkeit der Daten in Echtzeit still und leise einzuführen.

Der Vorteil der automatischen Billettkontrolle für die Kunden: Haben sie ihre Karte bei sich, brauchen sie nicht mehr ans Lösen von Billetten zu denken. Validieren, das heisst mit einem Guthaben aufladen oder mit einem Abonnement, lässt sich die Karte bequem via Internet oder an Automaten. Wer nicht will, dass eine Zentrale über seine Wege Buch führt, kann eine anonyme Karte gegen Vorauszahlung benützen.

Nach Erfahrungen bei Verkehrsverbünden in Deutschland tun das laut Kalbermatter aber weniger als ein Prozent der Kunden. Die meisten vertrauen darauf, dass die Daten – wie die Daten der Handybenützung – vertraulich behandelt werden. Die Datenschützer haben Richtlinien erlassen, an die sich die Verkehrsunternehmen halten werden.

Diesen verspricht das E-Ticketing grosse kommerzielle Vorteile. Neben den neuen Tarifmodellen und Bonussystemen (die jedoch nicht zusammen mit dem E-Ticket eingeführt werden sollen) wird der Aufwand für den Unterhalt der Verkaufsautomaten und die Verarbeitung des Geldes reduziert, die Billettkontrolle geht viel schneller, das System kann sogar selber erkennen, ob Leute mit ungültigen Tickets im Wagen sind.

Schön das es Menschen gibt, die einem Profit orientiertem Unternehmen soviel Vertrauen im Umgang mit persönlichen Daten zutrauen. Offensichtlich gehöre ich einer Minderheit von unter einem Prozent an, die nicht darauf vertrauen, dass solche Unternehmen nicht Mittel und Wege suchen werden aus solchen Daten Kapital zu schlagen. Dabei muss nicht einmal die Absicht einer Vermarktung der persönlichen Daten im Vordergrund stehen. Beispiele aus der Vergangenheit zeigten immer wieder auf, dass ein ungenügender Zugriffsschutz zur Bekanntgabe der Daten führen kann.

Solange es die Möglichkeit gibt anonyme E-Ticketing Karten zu benutzen werde ich diese Technik nur in diesem Umfang benutzen.

Und ja, ich habe einiges zu verbergen!
Zum Beispiel will ich nicht irgendwelchen Unternehmen oder Personengruppen bekanntgeben, wo ich letzten Dienstag zwischen 21:00 und 21:45 Uhr gewesen bin.

Denn wenn solche Daten gespeichert werden, werden diese auch benutzt, sonst würden diese Daten nicht gespeichert werden.

Link des Tages – parteifrei.ch

Wednesday, 15. June 2011 at 19:43 Uhr

Parteifrei.ch

Sachpolitik statt Parteipolitik – mit diesem Ansatz treten parteilose Bürgerinnen und Bürger bei den eidgenössischen Wahlen vom kommenden Herbst an.
[…]

Die Kandidatur auf einer Liste von parteifrei.ch erfordert keine Mitgliedschaft beim Trägerverein der Plattform, aber die Anerkennung einer Charta.
[…]

1. Kandidatinnen und Kandidaten auf den Listen von parteifrei.ch setzen sich verbindlich ein für Freiheit und Demokratie, für Unabhängigkeit und Frieden und für Vielfalt und Nachhaltigkeit, in Solidarität mit den Benachteiligten und in Offenheit gegenüber der Welt.
2. Sie sind neben diesen Grundsätzen allein ihrem persönlichen Gewissen und den Geboten der Bundesverfassung verpflichtet. Sie handeln eigenständig und nicht nach Weisung Dritter.
3. Sie treten anderen Kandidatinnen und Kandidaten von parteifrei.ch sowie den übrigen Akteuren der politischen Meinungsbildung mit Anstand gegenüber und respektieren deren Ansichten, auch wenn sie diese nicht teilen.
4. Sie handeln zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger und nehmen in selbstverantwortlicher Weise deren Anliegen, Interessen und Sorgen ernst.
5. Sie bringen ihr Sachwissen und ihre Erfahrung in die politische Arbeit ein und halten sich von Verlautbarungen und Interventionen zurück, wenn ihnen in einem Geschäft die nötige Kompetenz fehlt.
6. Sie zeichnen sich aus durch konstruktives, transparentes und konsensorientiertes Handeln und bemühen sich zu verbinden statt zu trennen.
7. Sie setzen sich ein für eine Öffnung der politischen Instanzen für Bürgerinnen und Bürger ohne Parteibindung, auch wenn diese nicht im Rahmen von parteifrei.ch aktiv sind.

Spannende Sache. Wie sie einen Konsens aller Mitglieder bei einem Sachthema erreichen wollen bleibt für mich unklar. Ich gehe mal an eine Veranstaltung um mehr darüber zu erfahren…

Nationalrat setzt erstes Zeichen für erneuerbare Energien

Friday, 10. June 2011 at 0:12 Uhr

Quelle: tagesanzeiger.ch

Einen Tag nach dem Ja zum Ausstieg aus der Atomenergie hat der Nationalrat ein Zeichen für die Förderung erneuerbarer Energien gesetzt. Er sprach sich dafür aus, die finanzielle Obergrenze bei der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) aufzuheben.

Der Nationalrat hiess mit 107 zu 72 Stimmen bei 9 Enthaltungen eine Motion von Martin Bäumle (glp/ZH) zur Aufhebung des Deckels gut. Nicht nur die Gesamtbegrenzung, sondern auch die Begrenzung für einzelne Technologien soll aufgehoben werden. So sollen mehr Projekte für erneuerbare Energien gefördert werden können. Der Bund soll jedoch die Möglichkeit behalten, die Kosten zu steuern.

Heute sind über 8000 Projekte auf der Warteliste für Gelder aus der Einspeisevergütung. Die KEV wird mit einer Abgabe auf dem Strom finanziert, die derzeit 0,45 Rappen pro Kilowattstunde beträgt. Ab 2013 soll die Abgabe gemäss früherem Parlamentsbeschluss auf 0,9 Rappen steigen.

Mit der KEV hatte sich der Nationalrat bereits gestern befasst – und dabei unterschiedliche Signale gesendet. Einen Vorstoss aus den Reihen der Grünen für die Aufhebung der finanziellen Obergrenze lehnte er mit Stichentscheid des Präsidenten ab. Ja sagte der Rat dagegen zu einem Vorstoss aus den Reihen der CVP, der anstelle der Obergrenze Jahreskontingente für baureife Projekte fordert.

Die künftige Ausgestaltung der KEV dürfte die Räte also noch beschäftigen. Der Bundesrat will im Rahmen seiner neuen Energiestrategie Änderungen prüfen, sich aber derzeit noch nicht festlegen, wie dieses Förderinstrument angepasst werden soll.

Sehr gut, ohne die Aufhebung der KEV Obergrenze wäre die Umstellung auf die Erneuerbaren nur ein Lippenbekentnis geblieben.
In erster Linie geht es jetzt mal darum die Menge der erneuerbaren Energien massiv zu erhöhen, eine Lenkung mittels Einspeisevergütung wird in nächster Zeit sowieso nicht nötig sein, solange der Anteil von Wind, Solar, Bio und Geothermie sich noch in einem so niedrigen Prozentbereich befindet.

Und ja, ich weiss das Subventionen den Markt verzehren, was aber im Angesicht der gängigen Praxis der Subventionspolitik im Umfeld des Atomstroms offensichtlich nie eine negative Rolle spielte.

Nationalrat sagt Ja zum Atomausstieg

Wednesday, 8. June 2011 at 23:17 Uhr

Quelle: tagesanzeiger.ch

In der Schweiz wird es wohl keine neuen Atomkraftwerke geben: Nach dem Bundesrat hat sich auch der Nationalrat für den Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen. Klare Bekenntnisse zur Förderung erneuerbarer Energien blieben vorerst allerdings aus.

Es ist noch ein wenig ungewohnt für mich, dass die Politiker in Bundesbern Entscheidungen mit solch einer Tragweite, in so kurzer Zeit durchführen können. Ich könnte mich aber daran gewöhnen!

Bei der Förderung erneuerbarer Energien zeigte er sich jedoch zögerlich: Ganz knapp – mit 96 zu 95 Stimmen bei zwei Enthaltungen – lehnte der Nationalrat es ab, die Obergrenze für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) aufzuheben, wie die SP und die Grünen es gefordert hatten. Nein stimmten neben SVP und FDP sämtliche Vertreter der BDP sowie drei der CVP.

Da hätte man mehr machen sollen. Ich denke das die Obergrenze für die KEV zukünftig massiv angehoben werden muss, da sonst der Ausbau der Erneuerbaren nicht in dem nötigen Tempo vorangetrieben werden kann.

Weiter sprach sich der Rat dafür aus, das Verbandsbeschwerderecht bei Energieprojekten aufzuheben. Umweltverbände könnten damit künftig gegen Wind- oder Wasserkraft-Projekte keine Beschwerde mehr erheben.

Was in der Vergangenheit von den Umwelt-, sowie dem Denkmalschutz an Energie-Projekten alles blockiert wurde war teils schon absurd. Es kann doch nicht sein, dass ein ökologisch denkender Mensch keine Solaranlage zur Warmwassergewinnung auf seinem Dach installieren darf, nur weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht.

Es wird mal eine Zeit kommen da Gebäude mit Solaranlagen auf dem Dach unter Denkmalschutz stehen werden. Dafür müssen diese Anlagen aber erst mal aufs Dach kommen…

Aufreger des Tages – Economiesuisse

Monday, 6. June 2011 at 22:28 Uhr

Economiesuisse

Der Wirtschaftsdachverband zieht alle Register, um den AKW-Ausstieg zu verhindern. Im Parlament schüttelt man den Kopf. Das Geld könnte besser eingesetzt werden, heisst es.
[…]
«Bei den Wirtschaftsverbänden haben einige Funktionäre immer noch nicht begriffen, dass der Zug abgefahren ist», sagt BDP-Präsident Hans Grunder gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz. Der Zug des Berner Politikers heisst AKW-Ausstieg. Noch letzte Woche hetzte er von Treffen zu Treffen. All die grossen Wirtschaftsverbände wollten nochmals mit ihm reden. Mit Gerold Bührer vom Dachverband Economiesuisse und Hans Hess von Swissmem habe er gesprochen, um nur zwei zu nennen. Aber: «Ich habe ihnen klargemacht, dass wir standhaft bleiben.»

Dass jetzt nochmals in einer grossangelegten Kampagne in den Zeitungen gegen den Ausstieg angekämpft wird, kann Grunder nicht verstehen. «Ein grosser Teil der Wirtschaft hat doch jetzt signalisiert, dass man mitmacht beim Umstieg auf erneuerbare Energiequellen. Er wird als Chance gesehen.»

Offensichtlich sieht Economiesuisse nicht die Chance der Enegiewende die sich für den Wirtschafts- und Forschungsstandort Schweiz bietet. Was mich ein wenig irritiert ist das Verharren von Economiesuisse in alten und starren Denkmustern, was ich für einen Verband, der die Schweizer Wirtschaft repräsentieren will äusserst eigenartig finde. Die Mentalität von Economiesuisse erinnert ein wenig an die Anpassungsfähigkeit der Dinosaurier an eine sich wandelnde Umwelt, mit dem Resultat, dass dieser Verband bei diesem weiteren Vorgehen irgendwann in der Bedeutungslosigkeit versinkt – wenn nicht vorher Gerold Bührer als Präsident zurücktreten muss.

Zum Glück gibt es da noch den relativ neuen Verband: Swisscleantech. Dieser hat die Zeichen der Zeit erkannt und dürfte in den kommenden Jahren dank den ökologischen, wie ökonomischen Herausforderungen, denen wir uns im 21. Jahrhundert stellen müssen, stark an Bedeutung gewinnen.

Der Traum von einem neuen, sicheren AKW

Wednesday, 1. June 2011 at 2:35 Uhr

Quelle: tagesanzeiger.ch

«Sollte die technologische Entwicklung zu einem Quantensprung bei der Sicherheit führen, dürfen wir die Tür nicht schon heute zuschlagen», sagte Economiesuisse-Präsident und Ex-FDP-Chef Gerold Bührer jüngst in der «SonntagsZeitung».
[…]
Grundsätzlich spricht nichts dagegen, auf Technologien zurückzukommen, wenn sie bedeutende neue Ergebnisse zu Tage fördern. In der AKW-Frage aber sind wichtige Entscheidungsträger dezidiert der Meinung, ein Nichtentscheid – sprich ein Moratorium – würde die wichtigsten Player für den langen Marsch in die erneuerbare Energie abschrecken.
[…]
Nichtsdestotrotz halten Bührer & Co. an der Option Kernenergie fest. Ihr Zauberwort: Sichere Atomkraftwerke der 4. Generation. Gemeint ist damit neuste Technologie, die ab zirka 2030 einsatzbereit sein soll.

Irgendwann in ferner Zukunft werden diese Reaktoren vielleicht einsatzbereit sein. Bis dahin wird sich die Menschheit nach regenerativen Energiequellen umsehen und diese auch einsetzten.

Doch wofür steht «Generation 4»? Prasser erklärt es so: «Die Nutzung des eingesetzten Urans wird zirka um den Faktor 50 erhöht. Der Anteil langlebigen Abfalls kann massiv reduziert werden.» Ein wahrer Technologiesprung also. Wobei die verschiedenen Reaktortypen – sechs an der Zahl – die neuen Vorteile in unterschiedlichem Masse erfüllen. Und die Sicherheit bei Störfällen? «Die meisten Reaktortypen der Generation 4 müssen in Sachen Sicherheit noch weiter entwickelt werden, um das Niveau heute verfügbarer Neubauanlagen zu erreichen», so der ETH-Forscher.

Forschung ist immer gut und möglicherweise werden diese Reaktortypen auch mal effizienter das spaltbare Material verbrauchen können. Der Wortlaut liegt hier auf “verbrauchen”, denn auch die Reaktoren der 4. Generation werden ein Rohstoff benötigen der nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen wird. Solange die “4er” Reaktoren nicht mal die Sicherheitsstandards der heutigen Reaktoren erfüllen können, geschweige das Abfallproblem nicht gelöst wurde, besteht kein akuter Bedarf sich mit dieser Technologie weiter auseinander zu setzen.

Ganz ausschliessen lässt sich aber auch bei Reaktoren der kommenden Generation das Risiko eines schweren Störfalles nicht. «Ein minimes Restrisiko bleibt immer», so Prasser. Das ist es, was bei AKW-Gegnern den Widerstand gegen die Atomtechnologie nicht abbrechen lässt. Ein Restrisiko bleibt ein Solches, egal wie gross es ist. Und ein GAU hinterlässt verbrannte Erde für Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte. Egal, ob die Chance, dass dieser Eintritt, nun 10 Nullen vor dem Koma hat oder 20.

Ein GAU kann fünf mal hintereinander eintreten oder eben erst in 15’000 Jahren. Die Unzulänglichkeiten des Vorhersagen von Wahrscheinlichkeiten…

Was gibt es zu tun?

1.) Erhöhung der Energie-Effizienz
Damit lässt sich schon mal ca. 30 Prozent der Energie einsparen, ohne irgendwelchen Komfortverzicht.

2.) Förderung der regenerativen Energieformen
Das Argument der Kritiker lautet häufig, dass die alternativen Energien nur einen tiefen Prozentanteil am Energiemarkt ausmachen und den Bedarf nicht decken können.
Stimmt! Der politische und finanzielle Wille für die Förderung und Ausbau der Regenerativen steht in keinem Verhältnis zu den “Zuwendungen”, welche die Atomenergie in den letzten 50 Jahren erfahren durfte. Da gibt es einen enormen Nachholbedarf!

3.) Ausbau der Netzinfrastruktur
In der Zukunft wird der Bürger gleichzeitig Produzent, sowie Konsument von Energie sein, da dieser die Möglich hat dezentral Strom zu erzeugen. Die heutigen Stromnetze sind dafür ausgelegt, dass Strom von einem Punkt an viele kleinere Standorte verteilt werden kann. Neu wird es auf ein Intelligentes Stromnetz, ein sogenanntes “Grid” hinauslaufen welches die Energie untereinander verteilen wird. Das die grossen Stromunternehmer bei diesem Modell noch ein wenig Mühe haben, dürfte darauf zurückzuführen sein, dass ihnen die Monopolstellung im Energieerzeugen streitig gemacht wird.

4.) Speicherung von Energie
Um Schwankungen bei Solar- und Windenergie abzufangen, lässt sich bei einem Überschuss die Energie in Form von kinetischer (Wasser) oder thermischer (flüssiges Salz) Energie zwischenspeichern.

Zudem wird zukünftig viel mehr Wind aus der Nordsee, Sonne aus der Sahara oder Geothermie aus Italien in unserem Strom zu finden sein. Denn so wie wir heute von Öl, Kohle oder Uran abhängig sind, wird sich auch in der Zukunft an dieser Konstellation nichts ändern, mit einem Unterschied: Wir sind alle Produzenten und Konsumenten.