Ein Koran in jedem deutschen Haushalt

Quelle: welt.de

Ibrahim Abou Nagie wirkt nicht gerade wie der Inbegriff eines islamistischen Hasspredigers. Der Kölner Geschäftsmann mit palästinensischen Wurzeln ist meist westlich gekleidet, mit Hemd oder Poloshirt, darüber ein helles Sakko. Der Bart des 47-Jährigen ist gestutzt, wenn er predigt, spricht er leise und bedächtig.

Alles in allem ist Ibrahim Abou Nagie kein Islamist von der Optik eines Pierre Vogel. Und dennoch stuft ihn der Verfassungsschutz als einen gefährlichen Mann ein. Der gebürtige Palästinenser gilt als einer der einflussreichsten Prediger des Salafismus, jener radikalen Islam-Strömung die als Sprungbrett in den islamistischen Terrorismus gilt. Wer nicht an Allah und seinen Propheten glaubt, landet nach dem Tod direkt in der Hölle, so die Kernbotschaft der salafitischen Prediger.

Derzeit aber ist Ibrahim Abou Nagie weniger nach Predigen zumute. Er hat viel zu tun, denn er hat Großes vor. Abou Nagie will das deutsche Volk vor dem ewigen Höllenfeuer retten. Alle Nicht-Muslime des Landes sollen zum Islam konvertieren, zum einzig wahren Glauben an Allah und seinen Propheten. Aus Ungläubigen sollen Glaubensbrüder und Schwestern werden.

Interessanterweise will der umtriebige Ibrahim Abou Nagie auch nur die Seelen vor dem ewigen Höllenfeuer retten, ein Feuer, welches den Christen eigentlich bekannt sein müsste, werden doch Anders- oder Ungläubige im Christentum ebenfalls mit der Hölle bestraft.

Deutsche Sicherheitsbehörden sehen in dem derzeit laufenden Koran-Projekt allerdings weniger einen selbstlosen Einsatz für spirituelle Rettung. „Lies!“ sei viel mehr ein Rekrutierungswerkzeug der Fundamentalisten, heißt es aus Sicherheitskreisen.

Ist es nicht immer ein Rekrutierungswerkzeug? Bei der Bibel haben die meisten gläubigen Menschen einen blinden Fleck wenn es um den Inhalt der Schrift und seinen Kontext geht.

Zwar wird nicht jeder, der einen Koran mit nach Hause nimmt, auch zum Islam konvertieren, und nicht jeder, der konvertiert, wird automatisch Extremist und wünscht sich einen Taliban-Staat mit Scharia-Gesetzen. Doch mit Abou Nagies Koran-Projekt wächst der Nährboden für extremistisches Gedankengut. Die Gefahr derer, die in ihrem religiösen Eifer zu militanten Fanatikern werden, steigt.

Zwar wird nicht jeder, der eine Bibel mit nach Hause nimmt, auch zum Christentum konvertieren, und nicht jeder, der konvertiert, wird automatisch Extremist und wünscht sich einen Gottes-Staat mit Gottes-Gesetzen.

Ginge es nach der katholischen Kirche, so würden wir immer noch im tiefen Mittelalter verharren und ich könnte diese Zeilen hier nicht schreiben, denn man hätte mich schon lange auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Gesellschaft lässt es nicht zu, das ein paar Wahnsinnige über unser Leben bestimmen, die Kirche würde diesen Umstand wieder ändern, hätte sie nur die Macht und die Gelegenheit dazu. Das die Kirche heute eher einen Schmuse-Kurs fährt ist der Aufklärung zu verdanken und der Trennung zwischen Staat und Religion.

Ob der Plan der Salafisten – einen Gottesstaat aufbauen zu wollen – aufgeht, lässt sich mit der folgenden Frage an die Gesellschaft beantworten:

Könnte die katholische Kirche bei uns heute einen Gottesstaat aufbauen?

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