Freikirchen sehen die Animanca-Steine als Bedrohung

Quelle: tagesanzeiger.ch

Mit geharnischten Mails und Briefen protestieren aufgebrachte Mitglieder von Freikirchen bei der Migros. So wirft beispielsweise ein Kunde in einem Brief an Claude Hauser, Präsident der Migros-Verwaltung, dem Grossverteiler Entmenschlichung vor. Die Kinder würden in der neuen Sammelaktion «Animanca – entdecke die Tiere in dir» angeleitet, kleine Schamanen zu werden.
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An der Aktion stört sich auch Jesus.ch, eine Internetplattform aus dem freikirchlichen Umfeld. «Mystische Steine, die das Tier und Kräfte in uns wecken? Tönt doch recht esoterisch», heisst es in einem Artikel. Einem Amulett würden magische, energetische Kräfte zugeschrieben, die für Esoteriker als Mittler zwischen höheren Mächten und uns Menschen dienen.

Entmenschlichung? Uii, dass tönt ja ganz schlimm und dies sollten wir den Kindern wirklich nicht zumuten. Lassen wir sie doch lieber den Lehren aus der Bibel lauschen, da gibt es auch gleich viel harmlosere Dinge als gefährliche Tier-Steine und blasphemische Schamanen-Rituale. Anfangen könnte man als Beispiel mit den Vorzügen der sexuellen Enthaltsamkeit – die ist so „menschlich“. Oder die Einstellung gegenüber Homosexuellen, auch ein enorm „menschliches“ Bekenntnis der christlichen Lehre. Möglicherweise sollte zum Anfang die grosse Toleranz gegenüber Andersdenkende und -glaubende bei Kindern vermittelt werden, mit diesem Attribut schmückt sich die christliche Lehre ja auch gerne.

Teufelsaustreibungen, Engel, über das Wasser gehen, Jungfrauengeburt, Auferstehung und Gott sind Dinge die für mich recht esoterisch tönen. Jeder darf sich seine eigne Traumwelt zusammen basteln und soll sie auch ausleben können. Aber erhebt nicht den Anspruch, unbewiesene Dinge als Realität und Gesetz anderen Menschen aufzwingen zu können.

Thomas Hanimann, Sprecher der Schweizerischen Evangelischen Allianz, beurteilt die Sammelaktion gelassener: «Ich bin nicht alarmiert», sagt er. Man könne aber durchaus darüber streiten, wie sinnvoll die Animanca-Aktion sei. Immerhin gebe sie aufmerksamen Eltern die Möglichkeit, mit ihren Kindern über Fragen rund um Esoterik und Aberglauben zu diskutieren. «Da man esoterische Ideen immer missbrauchen kann, verstehe ich Leute, die sich mit der Migros-Aktion schwertun», gibt Hanimann zu bedenken.

Ich möchte diesem Statement noch folgendes in Fett geschrieben, der Vollständigkeit halber, ergänzen:
Immerhin gebe sie aufmerksamen Eltern die Möglichkeit, mit ihren Kindern über Fragen rund um Esoterik, Religion und Aberglauben zu diskutieren. «Da man religiöse und esoterische Ideen immer missbrauchen kann, verstehe ich Leute, die sich mit der Migros-Aktion schwertun», gibt Hanimann zu bedenken.

Zum Glück haben wir einen doch recht gut ausgeprägten säkularisierten Staat. Nicht auszudenken wie es aussehen würde, wenn solche fundamentalistische Gruppierungen in der Schweiz das Sagen hätten.

Das Gesicht der Religion lächelt friedlich solange es seiner Macht beraubt ist.

1 thought on “Freikirchen sehen die Animanca-Steine als Bedrohung

  1. Je mächtiger ein Gott ist, desto ohnmächtiger sind die Gläubigen und an nichts anderem mehr interessiert für den Preis ihres Glaubens auch selber Gott spielen zu dürfen! 😉

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