Der Mann mit der Skibrille

Es gibt in unserer Mitte Menschen die an einer schleichenden Krankheit leiden: Langeweile.
Die Krankheit an sich selbst ist eigentlich harmlos und verschwindet in der Regel auch wieder ganz schnell. Manchmal kann es aber passieren, dass der Krankheitsverlauf mit Komplikationen verbunden ist, dann nämlich, wenn die Krankheit in hemmungsloser Gewalt mündet, dabei entsteht hoher Sachschaden oder es werden Menschen verletzt. So auch am letzten Samstag in der Stadt Zürich, beim Bellevue und Bahnhof Stadelhofen.

Über die genauen Gründe der Gewalt gibt es viele Theorien, die populärsten sind sicherlich die „Wohlstandverwahrlosung“, Killerspiele, Abwesenheit von Respekt gegenüber Autoritätspersonen, die Ausländer, Drogen, Pornographie, Orientierungslosigkeit, Franken-Stärke, Verlust des Gottesglauben, das Internet, Angst vor einem EU-Beitritt, Handy-Strahlung, Hormone im Trinkwasser, Strassenverkehr und Chemtrails.

Ja, Gründe lassen sich wirklich genug aufzählen, es mangelt diesbezüglich wahrlich nicht an kreativen Ideen, ein Markt der irgendwann sicherlich noch von der Pharmaindustrie entdeckt wird. Die Pille gegen Gewalt, Ritalin für Renitente und Autoritätstropfen, gleich in der Familienpackung, auch für Einzelpersonen geeignet.

Aber war da nicht etwas von Widerstand gegen Paragraphen, Regeln und ein Protest gegen mangelnde kulturelle Freiräume in unserer Gesellschaft? Wurden nicht Massen von Menschen mittels SMS-Aufruf dazu mobilisiert, ihren Freiheitswunsch auf dem Bellevue-Platz gegen die Staatsmacht einzufordern? Was lief schief bei diesem Zürcher-Frühling, der Jasmin-Revolution von Zürich?

Der Hauptschuldige schien auf jeden Fall schon gefunden zu sein, er war eigentlich schon von Anfang an schuldig und wird es in den Augen vieler Beteiligten und noch mehr Unbeteiligten Personen immer sein: Die Polizei.
Was haben die Hüter über Gesetz und Ordnung nicht schon alles falsch gemacht, sie sind zur Stelle wenn der Bürger es nicht wünscht, glänzen aber durch Abwesenheit wenn ihre Präsent gewünscht wird. So auch in der fraglichen Nacht am Bellevue-Platz, als lustige Zeitgenossen das Tramhäuschen bestiegen und von der Polizei gebeten wurden, von diesem wieder runter zu steigen. Offensichtlich war das der Funke, welcher die fröhliche Stimmung zum kippen brachte, plötzlich war die Hölle los und das Elend nahm seinen Lauf.

Dieser junge Mann kam gerade vom Skifahren zurück, als er unverschuldet zwischen die Fronten geriet. Wie man ganz gut auf dem Bild sehen kann, versucht er sich nur hinter dem Container von der Polizei in Sicherheit zu bringen.

Bild: tagesanzeiger.ch

Dieser freundliche, aber ein wenig verwirrte Herr sucht sein Fahrrad, auch er ist ein Opfer. Warum er zwei Fahrradsattel in den Händen hält, konnte bis heute nicht geklärt werden.

Bild: tagesanzeiger.ch

Diese beiden Kapuzen-Gestalten helfen beim Aufräumen nach den Unruhen. Sie wollen nicht erkannt werden, da sie ehrenamtlich unterwegs sind.

Bild: tagesanzeiger.ch

Als sich der Rauch verzogen hat und die Polizei die Lage wieder unter Kontrolle hatte, gab es natürlich Schelte: „Unverhältnismässig!“, „Die Polizei hat provoziert!“, „Skandal!“
Die Polizei zur falschen Zeit am falschen Ort, schon wieder!
Immer will sie die Bürger vor Gefahren schützen und Recht, sowie Ordnung durchsetzen. Das geht doch so nicht!

Gut, es wurde bekannt, dass der SMS-Aufruf als Racheaktion gedacht war: Für einen Polizeieinsatz. Als die Polizei am 16. Juli eine illegale Party unter der Duttweilerbrücke auflöste, wurde diese von friedlichen Partygästen mit Flaschen und Steinen beworfen. Danach kam Pfefferspray und Gummischrot seitens der Polizei zum Einsatz.

Ja, ok… Auf dem Tramhäuschen war die Gefahr gross, dass sich Personen an den Fahrleitungen einen tödlichen elektrischen Schlag hätten holen können. Aber muss die Polizei immer gleich intervenieren und einem den Spass verderben? Bei einem Unfall mit Todesfolge kann der Polizei auch im Nachhinein noch die Schuld für das Nichtstun gegeben werden.

Hmmm… Natürlich ist das Bellevue einer der wichtigsten Verkehrsnotenpunkte der Stadt Zürich. Aber wenn 1000 Personen sich schon die Mühe machen und extra an diese illegale Party erscheinen, dann muss der Verkehr halt warten. Dieser ist sowieso schuld an der Gewalt in unserer Gesellschaft!

Sarah Hunziker, am Samstag wurde zur illegalen Party beim Bellevue aufgerufen – als Racheaktion wegen des harten Durchgreifens der Polizei bei einer Party, an der Sie mitgeholfen haben. Was sagen Sie dazu?

Ich finde die Grundidee einer friedlichen Party am Bellevue gut. Auch kann ich zur Provokation stehen, die durch die Wahl des Ortes bewirkt wurde. Dass es zu Krawallen kam, ist schade. Aber es war allen klar, dass es so enden würde. Nach all den Aktionen der vergangenen Zeit konnte man sich das ja denken.

Liebe Frau Hunziker, sie dachten sich also, dass sich das Ganze so entwickeln würde? Ich habe ein wenig Schwierigkeiten mit dieser Aussage. Mir scheint es so, als wurde mit dieser Aktion bewusst Öl ins Feuer gegossen. Auch ich finde, dass sich Zürich von einer ehemals vielseitigen Party-Stadt in eine eher langweilige, monotone, nur dem schnellen-Geld-hinterher-rennenden-Partyszene entwickelt hat. Wenn Sie tatsächlich was auf die Beine stellen wollen, so sollten Sie den Weg der Kooperation mit den Behörden suchen. Es mag nicht immer einfach sein, viele Interessengruppen leben in einer Stadt wie Zürich, Reglemente und Gesetze gibt es, diese haben aber eine Schutzfunktion für alle Beteiligten. Wenn es Ihnen also ernst ist, in Zürich einen Ort zu schaffen, wo Kultur gelebt werden kann, so lassen Sie es mich wissen.
Aber eines weiss ich mit Sicherheit: Diese Aktion und die Folgen davon war der Partyszene von Zürich nicht dienlich.

Noch ein Wort an die lustigen Trolle mit den schwarzen Gewändern, den Kapuzen und sonstigem Accessoire: Stellt euch mal die Frage, ob ihr nicht lieber eure Anliegen über den politischen Wege kundtun wollt. Die Erfolgsaussichten sich Gehör zu verschaffen steigen ungemein an. In der Zwischenzeit könnt ihr – egal ob linkes oder rechtes Gewaltspektrum – euren Facebook Account überprüfen, ob ihr auch Freunde habt. Denn es mag durchaus sein, dass der Drang sich so in der Öffentlichkeit zu positionieren etwas mit einem Aufmerksamkeitsdefizit zu tun hat.

4 thoughts on “Der Mann mit der Skibrille

  1. Ich verstehe diese Chaoten auch nicht. Was wollen sie uns mit solchen Aktionen sagen? In die gleiche Richtung geht es doch mit den gewalttätigen Fussballfans, diese gehen ja auch nicht wegen dem Fussball in die Stadions.

    Die Kosten für die Sachbeschädigungen, den Polizeieinsatz haben gefälligst diese Chaoten zu tragen. Ich hoffe, die Polizei kennt ihre Identität, aber ich hoffe ebenso, die Krawallmacher werden durch die Strafe geläutert und helfen der Gesellschaft weiter zukommen.

    Dani, ich weiss du hast die Aufzählungen der Gründe der Gewaltausbrüche ironisch gemeint. Ich bin aber der Meinung, dass genau der „Verlust des Gottesglauben“ uns heute dorthin gebracht haben wo wir nun stehen.

    Ein wenig mehr Demut und Vertrauen in unseren Herrn Jesus Christus und seinen Gottvater würden helfen die Probleme auf dieser Erde zu lösen. Darum bete ich auch für dich, dass du wieder das Glück und die Freude des Glaubens erleben darfst. Denn eins weiss ICH mit Sicherheit: Gott gibt es und er schenkt uns seine Liebe!

    Grüsse Sandra

  2. Ich denke, die Heteros haben da ein Problem. Sie kommen nicht von den Schürzen der Frauen los und sind auch zu feige, sich an ihren Vätern zu vergreifen. Meistens haben sie gar keine! 😉

    Schwulendemos waren auch mal gegen Gewalt der Polizei gerichtet, aber daraus ist etwas mehr als eine kommerzielle Partyszene geworden???

    Wer zur Gewalt neigt, sucht, sich zu spüren. Aber nicht mehr mal im Sex spüren DIE sich! Und gegenseitig schon gar nicht… 😛

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