Der Himmel über Nidan

Samstag, 14. Mai 2011 at 13:40 Uhr

Diese Geschichte habe ich Lea gewidmet.

Sie kann sich nicht erinnern wann der Himmel über Nidan das letzte mal im strahlenden Blau zu sehen war. Manche sagen ihr, dass dies noch vor ihrer Geburt das letzte mal war, an dem Tag, als der grosse Sturm über das Land von Nidan hereinbrach und Leid und Verwüstung über die Menschen brachte. Der Garten war gehüllt in ein gespenstisches Grau, überall lagen kleine Würfel aus Marmor herum, die als Dekoration dienten. Die beiden Sonnen von Nidan waren erst seit wenigen Minuten über dem Horizont aufgegangen, die langen Schatten der Nacht brachen sich an den vielen Marmorwürfeln und der Boden sah aus wie ein langezogenes Schachbrett mit vielen tausenden von Feldern. Warum sie seit Tagen nicht mehr schlafen konnte und sich daher im Morgengrauen immer aus dem Palast schlich, wussten auch die Hofärzten nicht. Sie wusste aber, dass ihre Unruhe etwas mit der Prophezeiung zu tun haben musste die vor einem Jahr ausgesprochen wurde und die besagt, dass sich die Prophezeiung an ihrem 23. Geburtstag erfüllen würde.

Es knirschte unter ihren weichen Schuhen, das Kies wich bei jedem Schritt den sie tat auf die Seite, als würden die einzelnen Steine unter ihren Füssen wissen, dass sie von königlichem Blute war. Reeana war das einzige Kind der Königsfamilie Nidan. Sie war hochgewachsen, hatte langes schwarzes Haar, welches sich im Morgenwind um ihren Hals schmiegte. Ihre Augen sahen neugierig auf eine kleine Steintafel, welche in der Mitte des Garten lag, die Inschrift erinnert an das stolze Nidan Geschlecht, welches nun seit Jahrhunderte für Frieden und Wohlstand im Land bemüht war. Reeana drehte ihren Kopf zur Seite, empor schauend auf die grosse Säule neben der Steintafel. Das Mahnmal, welches an den grossen Sturm erinnert, übt eine grosse Faszination auf alle Besucher aus, die in den Garten kommen. Der Dichter und Denker Juvol hat es vor zwei Jahren aufstellen lassen.

Das kleine Gerät am Handgelenk von Reeana fing plötzlich an zu piepsen, Reeana schaltetet es ab und schaut auf die grünliche Anzeige. „Zum Glück“ dachte sie, „Nur 23 Einheiten, heute ist ein guter Tag“. Ein kleines Summen war zu vernehmen und in der Ferne sah Reeana ein kleines Shuttle auf sie zu kommen welches nach kurze Zeit später über ihrem Kopf in Richtung Westen weiter flog. „Diese nervigen Reklamen“ dachte sie sich, als sie die flimmernden Leuchtschrift am Heck des Shuttles bemerkte. „Als ob sich jemand wirklich ernsthaft Gedanken macht in die blaue Zone zu ziehen, um dort das Land zu besiedeln“ murmelte sie als die Firma „Emtek“ auf der Reklame zu sehen war.

Reeana kehrte um und bemerkte zum ersten mal an diesem Morgen die beiden Sonnen, die sich auf dem Wasser des kleinen Teiches spiegelten. Sie wusste es war nun Zeit zurück zu gehen um sich für den Tag vorzubereiten, denn es war ein ganz besonderer Tag, es war ihr Geburtstag.