Aufstand der Senioren – weil der Zug eine Minute früher abfährt

Quelle: tagesanzeiger.ch

Heute Abend lädt der ZVV zur Krisensitzung. Es nehmen teil: der ZVV-Vizedirektor, der Chef des SBB-Regionalverkehrs Zürich, der Bauvorsteher von Fehraltorf und die Präsidentin des lokalen Seniorenvereins. Einziges Traktandum: der 8.59-Uhr-Zug nach Zürich.

Die S 3 verlässt Fehraltorf seit dem Fahrplanwechsel offiziell nicht mehr zur vollen oder halben Stunde, sondern jeweils eine Minute früher. Schuld ist eine neue Software, die den SBB eine genauere Fahrplanplanung erlaubt. Dadurch hat sich laut ZVV per 12. Dezember 2010 eine «minimale Verschiebung der Verkehrszeit» ergeben. Wochenlang schien das in der 6000-Einwohner-Gemeinde im Oberland niemanden zu kümmern – doch dann häuften sich bei Verena Feurer plötzlich die Reklamationen.

Feurer wohnt gleich beim Bahnhof und ist Präsidentin des Seniorenvereins Fehraltorf. «Wir setzen uns für unsere Mitglieder ein», sagt sie. Diese hätten sich gleich mehrfach über den neuen 8.59-Uhr-Zug beklagt. Grund: Die Senioren können für ihre Ausflüge nicht mehr den günstigen 9-Uhr-Pass oder eine verbilligte SBB-Tageskarte kaufen. Und das, obwohl man sich im Dorf einig sei, dass der Zug selten bis gar nie pünktlich abfahre. «Wir sind keine Schwarzfahrer. Deshalb erkundigten wir uns beim Kundendienst, ob wir weiter den 9-Uhr-Pass benutzen können, wenn sich die S-Bahn verspätet.» Die Antworten fielen widersprüchlich aus. Beim ZVV hiess es, die tatsächliche Abfahrtszeit sei massgebend. Die SBB wiederum fanden, es gelte der Fahrplan – sonst drohe eine Busse von 80 Franken.

Zum Glück hat die Schweiz keine anderen Probleme zu lösen…
Haben die Seniorinnen und Senioren tatsächlich einen dermassen grossen Stress, dass diese nicht einen Zug später nehmen können?

Der Protest wirkte – und der 8.59-Uhr-Zug wurde bei den SBB zur Chefsache. «Ihr Interesse und Ihr Engagement zugunsten der Nutzerinnen und Nutzer des 9-Uhr-Passes freuen und beeindrucken mich», schrieb SBB-Konzernleiter Andreas Meyer dem Seniorenverein zurück. Und entschuldigte sich für die «missverständliche» Antwort seines Kundendiensts. Natürlich sei die «effektive Abfahrtszeit» massgebend. Der 9-Uhr-Pass sei aber erst ab Illnau gültig, falls der Zug pünktlich abfahre.

Meyers Antwort befriedigt die Senioren nicht. Sie wünschen sich eine «kundenfreundliche Lösung»: eine Toleranzgrenze von 2 bis 3 Minuten für den 9-Uhr-Pass – oder die alte Abfahrtszeit für Fehraltorf.

Interessant die Sache mit der Toleranzgrenze. Warum ist ein Zone 10 Ticket nur bis Stettbach gültig? Dieser Umstand ist doch für Personen welche in Dietlikon leben extrem unfair. Der ZVV soll mal nicht so kleinlich sein, schliesslich ist Stettbach doch nur eine Station von Dietlikon entfernt, da muss man doch eine Ausnahme machen. Und wenn wir schon dabei sind: Die Personen welche in Effretikon wohnen finden es extrem unfair das die Zone 10 ausgerechnet bei Dietlikon endet…

Feurer: «An anderen S-3-Bahnhöfen von Wetzikon bis Aarau hat der Fahrplan auch nicht geändert.

Stellt euch mal das Chaos vor, wenn jede Fahrplanänderung mittels demokratischer Abstimmung an der Urne erst abgesegnet werden müsste. Ich hätte da auch so meine Wünsche…

Auf das Treffen mit ZVV und SBB, das der Fehraltorfer Bauvorsteher Walter Egli (SVP) eingefädelt hat, ist sie minutiös vorbereitet. So kann sie anhand von 200 Zügen nachweisen, dass die S 3 stets verspätet abfährt. «Ich schaue aus dem Fenster, wenn die Kirchenglocke schlägt. Und immer steht der Zug noch da.»

Du meine Güte, die Zeit möchte ich auch haben 🙂

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