Das todernste Buch

Quelle: tagesanzeiger.ch

Der US-Prediger Terry Jones hat mit seiner Ankündigung, den Koran zu verbrennen, weltweit Furore gemacht. Die einen Menschen sind zornig. Die anderen fürchten just diesen Zorn, er hat bereits zu Blutvergiessen geführt. Man beleidigt den Koran nicht ungestraft, er ist ein heiliges Buch.

Abgesehen davon das dieser Terry Jones mit dem Aufruf irgendwelche Bücher zu verbrennen nicht ganz bei Sinnen sein kann, lassen sich keine Bücher beleidigen.

Ein Buch ist ein Gegenstand was keine Gefühle, keinen eigenen Willen, keine Bedürfnisse oder eine eigene Meinung besitzt. Ein Gegenstand kann per Definition nicht beleidigt werden, denn um ein Gegenstand beleidigen zu können braucht es Feedback von diesem, welches auf die vorangegangene Beleidigung aufmerksam macht.

Eine Person kann auch nicht Stellvertretend für eine andere Person oder einen Gegenstand beleidigt sein, denn die ursprüngliche Beleidigung ist ja immer persönlich und kann daher auch nicht „vererbt“ werden.

Ich kann natürlich eine Gruppe von Gleichgesinnten beleidigen (Hautfarbe, Religion, Sexualität…) und diese Gruppe kann sich im Kollektiv so dementsprechend äussern. Einzelne Personen aus dieser Gruppe müssen aber nicht zwangsläufig beleidigt sein. Zudem ist die Diskriminierung einer Gruppe wegen einer bestimmten Zugehörigkeit oder Neigung in den vielen Ländern strafbar, nachdem durch Vernunft und Logik, Dinge wie Rassenlehre oder Erbschuld als Dummheit entlarvt wurden.

Der Christliche Gott kann auch nicht beleidigt werden.
1.) Um Gott beleidigen zu können muss dieser in irgendeiner Form Feedback geben können.
2.) Da die Merkmale von Gott nicht bekannt oder sogar widersprüchlich sind, kann sein Wesen nicht beleidigt werden, da genau diese Merkmale für eine Beleidigung bekannt sein müssten.

Beispiele
Daniel beleidigt Hans
Hans kann sich gegen die Beleidigung wehren

Hans beleidigt Daniel
Daniel kann sich gegen die Beleidigung wehren

Daniel beleidigt Claudia
Claudia kann sich gegen die Beleidigung wehren
Hans kann nicht persönlich beleidigt sein

Daniel beleidigt ein Kerzenständer
Der Kerzenständer kann nicht beleidigt sein
Hans kann nicht persönlich beleidigt sein

Daniel beleidigt den Christlichen Gott
Der Christliche Gott kann sich gegen die Beleidigung wehren
Die Christen können nicht persönlich beleidigt sein

Den Ausdruck „Ich fühle mich persönlich beleidigt!“ ist eine Trugschluss, denn damit kann ich alles was mir nicht passt als „Beleidigung“ empfinden, um mein weiteres Handeln daraus zu rechtfertigen.

„Ich fühle mich persönlich beleidigt wenn jemand behauptet das es nur einen einzigen Gott gibt. Ich werde diese Schmach nicht länger dulden und alle Personen welche dies behaupten mit violetter Farbe anmalen, die Farbe der 41 wahren Götter: Die unsichtbaren, violetten Elefanten!“

3 thoughts on “Das todernste Buch

  1. Die Probleme mit der Beleidigung sind in unserer Kultur schon lange relativiert. Menschen, die kein eigenes Selbstbewusstsein haben, hängen sich an irgendelche Ehre und Heiligkeit von Familien, Gruppen oder Überzeugungen – einfach stellvertretend. Früher hiess das im Kindergarten: „Wenn Du nicht aufhörst böse über mich zu reden, sag ichs meinen Eltern…“

    Sie fühlen sich durch deren Unversehrtheit geschützt, wie zB Frauenehre durch die Brüder usw.
    Ein Balkaner beleidigte einmal im Chat meine Mutter. Als ich ihm sagte, sie sei schon lange tot, entschuldigte er sich mehrmals heftig dafür…

  2. Meiner Meinung hat es mehr mit Aberglauben als Glauben zu tun, wenn man Gegenstände oder auch wie in manch anderen Glaubensrichtungen Tiere für heilig und unantastbar erklärt.

    Sobald ein Gott antastbar ist, sollte man ihn nicht als Gott bezeichnen. Es ist im Grunde nur dieses falsche Denken der Menschen die Bildhälfte und Sinnhälfte eines Symbols verwechseln.

    Schließlich bin ich ja z.B. auch nicht von meiner Frau geschieden wenn mir der Ehering geklaut wird. Sondern es ist nur ein Symbol. So kann man auch keinem Gott (wenn es denn einer ist) seine Allmacht oder Heiligkeit streitig machen wenn man ein Buch, ein Kreuz, eine Kuh oder irgendwas anderes verbrennt.

    Das sich andere durch soetwas angegriffen oder verletzt fühlen, zeigt nur ein Misstrauen, dass sie ihrem Gott gegenüber haben. Wenn mein Gott allmächtig ist, dann brauch nicht ich dafür sorgen das ihn keiner beleidigt. Wenn er will kann er es dann schließlich selbst tun.

    Aber ich finde man sieht auch sehr stark die unterschiedliche Mentalität die dort hochkommt. Jesus-Karikatur gibt es schließlich wie Sand am Meer, aber von Mohammed reichen schon ein paar Stück aus um weltweit für Empörung zu sorgen.

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