Cablecom will den CI+ Standard als freie Konsumentenentscheidung dem Kunden “aufzwingen”

Thursday, 6. May 2010 at 15:47 Uhr

Die unsägliche Geschichte mit dem Zwang einer Cablecom Set-Top-Box wird ja dieses Jahr endlich verschwinden und alle Kunden können nun die Set-Top-Box erwerben, die ihnen genehm ist. Der Kunde braucht dazu nur noch die Smartcard in das sogenannte CI Modul (Common Interface) der Set-Top-Box zu schieben und der Fernsehabend kann beginnen. Die Karte selbst gibt es bei der Cablecom für eine einmalige Gebühr von 99 Franken.

Das die Cablecom diesen Schritt der “freien” Set-To-Box Wahl nicht freiwillig machte, konnte in den Medien über Jahre hinweg rege beobachtet werden. Vor allem die Beharrlichkeit des Schweizerischen Konsumentenschutz (SKS) ist es zu verdanken, dass dieser Schritt endlich Realität wurde.

Ende gut alles gut?
Nein!

Die Cablecom wird nämlich ab Juni die Smartcard nicht mehr im Standard CI Format ausliefern sondern im neuen CI+.
Der neue Standard ist eine massive Einschneidung der Nutzerfreiheiten und bietet folgende Einschränkungen:

Quelle: Wikipedia

CI+ erlaubt es den Sendeanstalten, im TV-Signal zusätzliche Informationen mitzusenden, sog. Usage Rules Information (URI). Diese sogenannten ‘host shunning flags’ sind „Anweisungen“, mit denen Sendeanstalten die Nutzung von CI+-kompatiblen DVB-Rekordern (also Festplatten- und DVD-Rekordern) einschränken können: Sie bestimmen, was mit dem jeweiligen Inhalt gemacht werden darf und was nicht. Dabei können sie für jede einzelne Sendung

  • die Aufnahme gänzlich unterbinden
  • die Wiedergabe von TV-Aufnahmen zeitlich begrenzen (zwischen sechs Stunden und 61 Tagen)
  • zeitversetztes Fernsehen gänzlich unterbinden oder begrenzen (zum Beispiel nur bis 90 Minuten nach Sendungsende)
  • TV-Aufnahmen unter Einsatz des individuellen Keys des DVB-Recoders an das jeweilige Gerät binden, die dann nicht von anderen Geräten wiedergegeben werden können
  • festlegen, ob und in welcher Auflösung (evt. Downscaling auf SDTV) die Videoausgabe über den analogen Ausgang (z.B. SCART) erfolgen soll und ob diese mit einem Kopierschutz (Macrovision) versehen wird, wie etwa bei HDTV-Sendungen.
  • Die CI+-Technologie beinhaltet noch weitere Änderungen gegenüber dem heutigen CI-1.0-Standard:

  • CI+ verschlüsselt den entschlüsselten TV-Content erneut, so dass er nicht an anderen Schnittstellen abgegriffen werden kann.
  • Es wird nicht mehr möglich sein, mehr als eine Sendung auf einmal zu entschlüsseln, so dass Twintuner-Lösungen nicht mehr sinnvoll sind.
  • Es wird nicht mehr möglich sein, mehr als ein Pay-TV-Angebot zu entschlüsseln, soweit diese unterschiedliche Verschlüsselungen anwenden (Twin- oder Multi-CAM), z.B. Arena+Sky oder ORF+SF+SkyAT. Damit ist der Endkunde noch enger an einen Broadcaster gebunden.
  • Die Ausgabe von HD-Signalen wird nur an HD ready-zertifizierten Geräten möglich sein, da nur diese eine durchgehenden Verschlüsselung des Datenstroms bis zum Display via HDCP unterstützen.
  • Das vom „CI+-Konsortium“ (CI Plus LLP) beauftragte Trustcenter kann CI+-kompatible Geräte beim Anwender vor Ort außer Betrieb setzen (z.B. wenn festgestellt wird, dass ein Gerät den Kopierschutz kompromittiert).
  • Diese Einschränkungen betreffen vor allem DVB-Rekorder. Reine Empfänger (ohne Aufnahmefunktion), also Fernseher oder Settopboxen, sind von vielen der genannten Restriktionen nicht betroffen.

    Natürlich ist der CI+ Standard nicht von Cablecom ins Leben gerufen worden. Da es praktisch keine Geräte im Handel gibt die CI+ unterstützen und auch in anderen Länder der normale CI Standard immer noch das Mass aller Dinge ist, muss man sich fragen, ob die “freie Wahl” der Set-Top-Box in Wirklichkeit nicht ein Feigenblatt ist. Die Cablecom bietet selbst natürlich eine CI+ kompatible Set-Top-Box an.

    Der SKS hat sich dazu am 4. Mai 2010 geäussert und bietet eine Musterstellungnahme an, die ich gestern noch unterschrieben per E-Mail an das BAKOM gesendet habe.

    Ich habe die Nase gestrichen voll von dem Geschäftsgebaren der Cablecom!
    Neben der schlechten Energiebilanz und dem Zwang der Set-Top-Boxen, der digitalen Grundverschlüsselung und dem traurigen Kundendienst muss Herr und Frau Schweizer mit ansehen, dass es im Vorarlberg (Östereich) auch anders geht.

    Quelle: Cablemodem.ch – Offener Brief an den Cablecom CEO

    Vergleich des Angebotes der Cablecom in der Schweiz und in Vorarlberg (A):

    …………………………………………..Schweiz……………Vorarlberg (Österreich)
    Grundangebot Digital-TV……………..verschlüsselt………unverschlüsselt
    Kosten HDTV* / Monat……………….40.50……………….19.50 (13.33 €)
    Anzahl Sender HD…………………….6…………………….8 (inkl. HDsuisse!)
    Anzahl Sender SD…………………….109………………….102

    Kosten HD Set-Top-Box………………900.-………………..299.- (199 €; gekauft)
    (5 Jahre gemietet)
    ………………………………………….Hispeed 2000………Power XL (23.90€)
    Internet Download für ca. 34.-……..2000 Kbits/s………..8192 Kbits/s

    * Annahme: Kunde besitzt einen DVB-C HD TV, in der CH inkl. Miete HD Mediabox Receiver

    Seit Jahren bin ich nun ein treuer und guter Kunde der Cablecom, habe einige Höhen und viele Tiefen mit dem Monopolist erlebt.
    Ich wechsle nicht sehr schnell einen Dienstleister – egal welche Branche – und will es hier eigentlich auch nicht tun müssen.
    Sollte die Cablecom ohne alternative nur noch CI+ Smartcards ausgeben, dann werde ich bei erstbester Gelegenheit zu einem Anbieter wie GGA Maur wechseln, denn jetzt habe ich genug!.

    Und ja, ich bin sauer!