Ein senkrechter Schweizer

Tuesday, 8. December 2009 at 12:13 Uhr

Quelle: tagesanzeiger.ch

[…] Bei den inzwischen auch vom parteiunabhängigen Informationskomitee verbreiteten Musterbriefen müssen nur noch die Namen der Gesuchsteller eingesetzt werden. Die Ablehnungsgründe liefert Liebrand gleich mit: keine Integration oder wenig gesellschaftliche Aktivitäten, mangelnde, machohafte, kulturfremde Strukturen, oder: unanständiges, unflätiges sowie gewaltbereites und Gewalt verherrlichendes Verhalten. Aus den Argumenten sollen jene ausgewählt werden, die zutreffen, liess Liebrand wissen.

Der noch sehr junge Anian Liebrand kann anscheinend noch gar nicht wissen, dass ein grosser Teil unseres Wohlstandes von Menschen erschaffen wurde, die – wenn es nach der SVP ginge – nie einen Schweizerpass bekommen würden.

Lieber Anian,
dieser “Musterbrief” ist keine wirkliche Leistung, denn dieser löst keines der Symptome die du als Ablehnungsgründe aufzählst. Was wirklich helfen würde, wäre ein Massnahmenkatalog um diese “Probleme” in den Griff zu kriegen und nicht immer darauf herumreiten zu müssen, was diese “Ausländer” alles nicht können oder wollen.

Ins Blickfeld einer breiten Öffentlichkeit rückte Liebrand mit provokanten Stellungnahmen etwa zum Holocaust-Gedenktag an einer Luzerner Kantonsschule, an der nicht «die einzigartige Schweizer Geschichte» gelehrt werde, sondern «den Schweizern eine Mitschuld untergejubelt wird», wie er in einem Mail kritisiert

Solche Aussagen zeigen auf, dass es im Bereich Geschichte: “Die Schweiz im zweiten Weltkrieg” noch Defizite gibt, die du sehr wohl durch das Studium von historischen Dokumenten und Büchern beseitigen kannst.

Vielleicht, so sinniert seine Mutter, sei das bei ihrem Sohn alles nur Jugendsünde und Revolte. Wenn er dann mal fest im Leben stehe, werde das wohl anders.

Ich schliesse mich der Einschätzung deiner Mutter an, erst mal die Rekrutenschule fertig absolvieren, dann vielleicht noch ein Aufenthaltsjahr im Ausland einlegen (hilft Vorurteile abzubauen) und dann kommt das schon gut…

Lieben Gruss,
Daniel Schurter
(Parteilos)