Tödliche Gier

Quelle: heise.de

Die Herstellung von Treibstoffen aus Pflanzen hat die weltweiten Preise für Lebensmittel um bis zu 75 Prozent ansteigen lassen. Das ist das Ergebnis eines bislang unveröffentlichten vertraulichen Berichts der Weltbank.

Weltweit werden etwa 3-5% der Anbauflächen für Treibstoffe aus Pflanzen zur Verfügung gestellt. Über den Sinn, die ethischen und moralischen Bedenken Lebensmittel zu verbrennen, will ich nicht näher eingehen, aber diese Preissteigerung lässt sich alleine dadurch für mich nicht plausibel erklären. Da es auf der ganzen Welt genug Lebensmittel gibt kann der Preisanstieg auch nicht durch eine generelle Verknappung erklärt werden. Wir vernichten schliesslich jedes Jahr zig Tonnen Lebensmittel nur um den Preis auf einem gewissen Niveau halten zu können, oder exportieren diese Güter hoch subventioniert in Länder, die zu diesem Preis nicht mal produzieren können und zerstören damit die lokalen Agrar Betriebe. Wie dieser lange Spiegel Beitrag und WSWS.org aufzeigt, gibt es eine andere Komponente die für die hohen Lebensmittel Preise verantwortlich ist. Die Spekulation.

Auf den Computerbildschirmen der Wall-Street-Strategen nämlich sieht die Story anders aus. Rohstoffe sind da die erste große Wachstumsindustrie des 21. Jahrhunderts. Riesige Summen strömen in den Handel mit Nahrung und Energie. Bislang überschaubare Märkte, die jahrzehntelang nach denselben Gesetzen funktionierten, werden nun von Finanzinvestoren gestürmt.

Noch Ende 2003 investierten sie bloß 13 Milliarden Dollar in dieses Geschäft. Im März 2008 waren es schon 260 Milliarden – plus 1900 Prozent.

Rund hundert Millionen Dollar täglich flossen voriges Jahr in die Rohstoffmärkte. Gegen Jahresanfang wurde der Fluss dann zum reißenden Strom: Tag für Tag drängt über eine Milliarde Dollar in den Markt.

Hedgefonds, Banken, Pensionskassen, Investmentfonds – und damit auch Millionen Kleinanleger: Sie alle
machen mit. Erst steckten sie ihr Geld in Internet-Firmen, dann in Immobilien, und jetzt sind die Landwirtschaft und Energiemärkte an der Reihe.

Natürlich haben eine erhöhte Nachfrage der Schwellenländer und die Verfeuerung von Bio-Kraftstoffe einen Einfluss auf den Lebensmittel Preis. Mir scheint aber die „Spekulative“ Komponente bei dieser Sache stärker zu gewichten.

Hinweise auf merkwürdiges Verhalten häufen sich quer durch die Rohstoffbörsen. Beispiel Baumwolle: Binnen zwei Wochen stieg Ende Februar der Future-Preis um 50 Prozent. Dabei konnten die Farmer bis heute die Hälfte ihrer Ernte vom Vorjahr nicht verkaufen. Die Lager in den USA sind so voll wie zuletzt 1966. Eigentlich alle Zeichen stehen auf Preisverfall.
[…]
Weil die Aktienmärkte nicht mehr so gut laufen, setzen auch viele Banken auf Rohstoffe. Ethische Bedenken stehen in der Regel nicht in ihren Werbeprospekten. Es ist dort auch nicht vermerkt, dass die Privatanleger für ihren Einsatz an anderer Stelle bezahlen, etwa beim Tanken oder in der Bäckerei. Und kaum ein Banker spricht davon, dass mit den lukrativen Fondskursen auch die Lebensmittelpreise in Burkina Faso steigen.

Der Wahnsinn mit dem Biotreibstoff muss aufhören, die Klimabilanz mag ja besser sein als beim verbrennen von Öl. Eine Lösung für unser Energieproblem ist diese Art von Energiegewinnung aber nicht, da nicht genug Anbaufläche zur Verfügung steht um den weltweiten Bedarf adäquat abzudecken.
Lebensmittel Spekulationen müssen ebenfalls eingedämmt, notfalls soweit erschwert werden, damit solche Situationen nicht mehr eintreten können.

20 Rappen mehr für ein Kilo Reis zu bezahlen bringt uns vielleicht keine schlaflose Nachte ein. In Ländern mit einem Tageseinkommen von zwei Dollar oder darunter, kann dies über hungern oder verhungern entscheiden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.