Freiherr von Gravenreuth – Ein Märchen

Donnerstag, 13. September 2007 at 18:38 Uhr

Es begab sich, dass eines Tages der Freiherr von Gravenreuth durch seine Ländereien lief um sich an der schönen Natur zu erquicken. Er konnte sich aber nicht richtig daran erfreuen, denn dies hatte einen Grund, welchen ich euch nun in diesem Märchen erzählen möchte.

Kapitel 1
Es war an einem warmen Sommerabend ein Jahr zuvor. Eine illustere Gesellschaft traf sich in der Schenke „zum singenden Pfeifenkopf“ um bei Speiss und Trank die Ausgelassenheit des Seins zu zelebrieren. Dabei wurde auch viel gesungen und getanzt, grossen Anklang fand der neue Hit „Holzschiffe in meinem Teich“ des Barden Lustig welcher seit 6 Wochen in den königlichen Charts vertreten war.

Zwei Sanduhren nach der letzen Stund des Tages, liefen die Gäste heim und da kam es zu einem Zwischenfall:

An der Blütenstaubgasse bog ein Gast ab, welcher das Stück „Holzschiffe in meinem Teich“ vor sich hin sang. 200 Faden später huschte ein Gestalt hinter einem Baum hervor und stellte sich dem Gast in den Weg. Wohlauf mein Freund der späten Stund, sagte der Unbekannte, was pfeift ihr hier welch schönes Lied? Der Gast sagte ihm: „Holzschiffe auf meinem Teich“ von Lustig frohlockte der Gast. Aha, sagte der Unbekannte und fragte: Habt ihr eine Pergamentrolle 75 um dieses Stück singen und pfeifen zu dürfen? Nein, sagte der Gast, wir alle haben heute Abend das Stück in der Schenke gesungen und wir wussten nicht, dass man dazu eine Pergamentrolle 75 braucht. Wer seit ihr überhaupt, fragte der Gast. Mein Name ist Gravenreuth, Freiherr von Gravenreuth, sagte der Unbekannte. Der Gast wurde ganz bleich im Gesicht und stammelte, Werter Herr, was soll ich sagen… ich weiss nicht… wir haben doch nur… Mein lieber Freund, sagte Freiherr von Gravenreuth, so seit nicht verwirrt, ich biete Euch ein Lösung an, welche uns beide zufrieden stellen wird. Gebt mir alle Namen der Gäste welche heute Abend in der Schenke waren, zahlt mir 2 Silberlingen und die Sache ist vergessen. Ansonsten werde ich dem König mitteilen müssen, dass Ihr… Schon gut, schon gut, sagte der Gast und schrieb alle 36 Namen auf ein Pergament auf, welches ihm der Freiherr von Gravenreuth hinüber reichte. Als er noch die 2 Silberlinge zahlte, verschwand der Freiherr in der Dunkelheit der Nacht.

Kapitel 2
Zwei Tage später bekamen 36 Menschen eine Pergamentrolle zugestellt mit folgendem Wortlaut:

An den Bürger < Name des Pöbel >
Am 865. Tag unseres Königs Frauenheld der II, wurden Sie zwischen der 21. Stund des Tages und der 2. Stund des neuen Tages erwischt, das äusserst erfolgreiche Musikstück „Holzschiffe in meinem Teich“ von Lustig in der Schenke „zum singenden Pfeifenkopf“ gesungen zu haben.

Dieser Singsang ist nach der Pergamentrolle 75 nicht gestattet, ohne einen Schinken an den Barden Lustig und 10 Fass Bier der Lärm & Krach Gilde zu zahlen.

Da wir wissen, dass Sie es nicht mit Absicht gemacht haben, können wir die Sache mit einer Zahlung von 300 Silberstücken belassen. Sollten Sie der Zahlung nicht nachkommen, werden wir dies dem König melden und es würden Konsequenzen von Auskitzeln bis Sackhüpfen auf Sie zukommen.

Freundlichst, Freiherr von Gravenreuth
Gilde: Nimm 3
Abteilung: Narrenfreiheit

Die meisten Bürger zahlten aus Angst vor dem Sackhüpfen, hätte diese Schmach ihren beschaulichen Alltag doch durcheinander gebracht und 300 Silberstücke waren ja auch nicht alle Welt. Die meisten hatten sowieso das Gefühl, nochmals Glück gehabt zu haben.


Kapitel 3

Da gab es aber ein tapferes Schneiderlein, welches sich nicht gefallen lies, dass man es mit solch einem Pergament stichelt.
Es begab sich zur Gilde „Die königlichen Aufrechten des Volkes“ und legte eine Beschwerde ein. Das Schneiderlein begründete seine Klage mit etwas wie Raubrittertum, Wegelagerei und kapitalistischer Abzocker-Mentalität – Ähmm… nein, das war ja viel später.

Der Vorsitzende der Gilde – Lord von Gerechtigkeit beschloss nach einer Weile, dass es jetzt genug sei wie der Freiherr von Gravenreuth die einfachen Bürger behandle und gab dem Schneiderlein recht und verurteilte den Freiherr. Nun muss der Freiherr von Gravenreuth 6 Monde lang, auf seinem Landsitz jeden Tag eine Narrenkappe tragen.

Und wenn der Freiherr von Gravenreuth noch immer eine Narrenkappe trägt, so hat ihn der Lord von Gerechtigkeit vergessen und alle Bürger sind glücklich, singen und pfeifen das Lied des Barden Lustig: „Holzschiffe in meinem Teich“

Ende

Diese Geschichte ist ein Märchen und wurde frei von mir erfunden.
Ähnlichkeiten zu lebenden Personen, Narren oder Raubrittern sind rein zufällig.

Reale Fakten zu diesem Thema und ein wenig Schadenfreude meinerseits:
spiegel.de
heise.de
espace.ch