Zum 1. August: Unterschreiben sie jetzt für eine sichere Schweiz!

Dienstag, 31. Juli 2007 at 21:50 Uhr

Dieser doppel A4 Werbebogen lag bei mir im Briefkasten und erweckte erst einmal den Eindruck, der Bundesrat lässt die Bürger zum Geburtstag der Schweiz grüssen.

Doch da! Am unteren rechten Rand (Politisch korrekt!), prangt das Logo der SVP in gewohnter Schweizer Qualität hervor und suggeriert irgendwas von Bio und glücklichen Kühen.

Um bei der tierischen Analogie zu bleiben: Nach dem öffnen der Broschüre fällt der Blick auf eine Schweiz mit drei weissen Schafen und einem „bösen“ schwarzen Schaf, welches aber, SVP sei dank, aus der Schweiz „gekickt“ wird.

Viel steht nicht geschrieben, was steht, kommt in gewohnter SVP Rhetorik herüber und tönt schlimm, sehr schlimm!

Anteil ausländischer Straftäter
Insgesamt: 52.8%
Körperverletzung: 52.7%
Vorsätzliche Tötung: 55.5%
Erpressung: 66%
Vergewaltigung: 85.5%

Da muss man doch etwas tun, denkt man sich reflexartig und sucht schon nach Lösungen im Text.

Kriminelle Ausländer sollen ausgeschafft werden (Ausschaffungsinitiative):
– Gewalttäter, Mörder und Drogendealer – sollen gehen
– Vergewaltiger und Sexualstraftäter – sollen gehen
– Wer unsere Sozialwerke missbraucht – soll gehen.

Soweit so gut, könnte man sich jetzt denken und auf der letzten Seite in aller Ruhe seine Unterschrift abgeben, damit dieser schlimme Zustand endlich ein Ende hat.

Da wäre aber noch der eine oder andere Zweifel:

  • Mir fehlen die absoluten Zahlen der ausländischen Straftaten, bzw. aller Straftaten in der Broschüre.
  • Mir fehlt die Entwicklung der Menge der Straftaten über einen bestimmten Zeitraum in der Broschüre.
  • Mir fehlt die Information in der SVP Broschüre, dass heute schon ausländische Straftäter ausgeschafft werden.
  • Mir fehlt, dass neben den Repressalien keine langfristigen, nachhaltigen Lösungen aufgezeigt werden.
  • Mir fehlt in der Broschüre eine Statistik über die Menge der Strafanzeigen, welche etwas über die Zu -oder Abnahme der Straftaten aussagen könnten.
  • Wie man im Bericht der fedpol sehen kann, sind auch viele schwere Straftaten rückläufig: Polizeiliche Kriminalstatistik PKS

    Eine Grenze zu ziehen zwischen Straftaten, welche von Schweizer oder von Ausländer begangen wurden, ist polemisch, populistisch und lenkt nur von den eigentlichen Problemen ab. (z.B. Integration, Chancengleichheit)

    Auch ich habe etwas gegen Kriminalität, egal ob diese von Schweizern oder Ausländer begangen werden.
    Aber nicht so SVP, auch wenn bald wieder Wahlen sind.
    In diesem Sinne: Happy Birthday Switzerland!


    Ein interessantes Buch zum Thema Statistiken und wie mit diesen viel Unfug angerichtet werden kann.
    Der Hund, der Eier legt