Fragen und Einwände an einen Atheisten

Sunday, 23. June 2013 at 15:53 Uhr

Mich erreichen viele E-Mails zum Thema Atheismus, Religion im allgemeinen und der Frage nach einem allgegenwärtigen Gott, der die Geschicke dieser Welt lenken soll.

Anbei eine Zusammenfassung der häufigsten Fragen und Einwände der E-Mail Schreiber und meine Antworten dazu.

Dieser Text kann in Zukunft weiter mit Fragen und Antworten ergänzt werden.

Atheismus ist ja auch nur eine Form von Glauben!
Auch das Wiederholen mach es nicht wahrer: Atheismus ist keine Form von Glauben. Das Fehlen eines Glaubens kann nicht gleichzeitig ein Glaube sein. Zudem ist der Terminus “Glaube” in diesem Kontext irreführend, suggeriert dieser doch das Annehmen einer Idee auf der Basis ohne Beweise und Fakten, was ein Atheist ja klar ablehnt.

Warum wollen Atheisten den christlichen Gott negieren?
Die Fähigkeiten von Gott wurden sehr genau beschrieben und seine Taten und Attribute sind in der Bibel dokumentiert. Es ergibt sich aus den drei Fähigkeiten “Allwissend”, “Allgütig” und “Allmächtig” das Theodizee-Problem was ein logischer Widerspruch ist. Ein Atheist negiert also ein Wesen, welches ganz genau beschrieben wird und in seiner Gesamtheit unlogisch und widersprüchlich ist.

Irgend ein höheres Wesen muss es doch geben?
Müssen im Sinn von “es geht nicht anders” oder eher “es wäre doch schön”?
Es gibt bis heute keinen Hinweis für das Wirken einer höheren, intelligenten Macht in unserem Wahrnehmungsspektrum. Da das Wissen der Menschheit begrenzt ist, können wir nur Aussagen über unsere bekannte Realität machen, welche mit uns in Wechselwirkung steht.
Die Behauptung die Erde wäre ein unsichtbarer Würfel anstelle einer Kugel hat für uns keine Bedeutung, solange wir den unsichtbaren Würfel nicht erfassbar machen können. Wenn der unsichtbare Würfel nicht in irgendeiner Weise mit uns in Interaktion tritt, können wir dessen Existenz nicht beweisen. Im besten Fall können wir den Würfel negieren, da die Erde nicht eine Kugel und ein Würfel gleichzeitig sein kann.

Auf die Frage, ob es denn kein Wesen ausserhalb unserer Vorstellungskraft geben kann, lässt sich wie folgt beantworten: “Keine Ahnung”. Wir können es nicht wissen, da es ausserhalb unserer Vorstellungskraft existiert. Jedes weitere Attribut dieses Wesen – wie etwa “mächtig”, “grün”, “gutmütig”, “schneller als das Licht”, “grausam”, “allwissend”, “in der Form einer Teekanne” – macht es fassbarer und zerrt es immer mehr in unsere Vorstellungskraft, aber es setzt sich auch unserem kritischen Denken aus und kann mittels Logik demontiert werden.

So viele Christen können nicht irren!
Die Anzahl der Menschen die einem Glauben angehören sagt nichts über dessen Wahrheitsgehalt aus.
Nach dieser Logik würden sich die Anhänger des Islams irren, da sie neben dem Christentum mit 2.2 Milliarden, die zweitgrösste Glaubensgemeinschaft von ca. 1.57 Milliarden ausmacht. Die Muslime oder aber auch die Juden teilen diese These nicht und verweisen auf ihren Glauben als absoluter Wahrheitsanspruch. Zudem lässt sich “ein” Christentum nicht definieren, da es verschiedene Strömungen von Glaubensätzen gibt, von liberal bis erzkonservativ eingestellten Anhängern, welche alle ihre eigene Sub-Strömung als wahrer Glaube ansehen. Da es das Christentum erst seit gut 2000 Jahren gibt, kann die Anzahl der Gläubigen kein Indikator für den Wahrheitsgehalt sein, denn zur Zeit von Herodes gab es lediglich eine Handvoll von Gläubigen.

Warum erheben Atheisten den Wahrheitsanspruch das es keinen Gott geben kann?
So eine generelle Aussage eines Atheisten würde sofort von anderen Kritikern in Frage gestellt werden, denn auch Atheisten können nur Dinge negieren, die unlogisch und widersprüchlich sind. Die generelle Aussage “Es gibt keinen Gott” bezieht sich in unserem Kulturraum umgangssprachlich speziell auf den christlichen Gott, der sehr genau beschrieben ist. Da es in der Diskussion mit Atheisten darum geht, welche Beweise für oder gegen eine These sprechen, haben dogmatische Denkmuster gar keine Chance. Die offene Frage nach einem “übernatürlichen Wesen” im Allgemeinen, kann eigentlich nur agnostisch beantwortet werden, da die Fragestellung keine weiteren Anhaltspunkte mitgibt.

Ich lasse mir meinen Glauben von dir nicht wegnehmen!
Sein eigener Glaube kann nicht durch jemand anderen weggenommen werden, nur durch sich selbst kann der eigene Glaube abgelegt werden. Da der Glaube auf einer persönlichen Überzeugung beruht, ist dieser auch immun für Argumente gegen den Glauben. Der Glaube muss nicht bewiesen werden, er ist einfach da und existiert solange, wie der Gläubige diesen braucht.

Warum lässt du Gott nicht in dein Herz?
Es gibt Menschen die brauchen keinen Gott um ein erfülltes Leben haben zu können. Es gibt auch Menschen die brauchen die Mystik von Vampiren oder sprechen mit Steinen und zu Bäumen. Ein Christ könnte ja doch auch mal versuchen sein Herz für Allah zu öffnen.

Ohne Gott kennt der Mensch keine Moral und Ethik und er stürzt ins Chaos
Diese Behauptung ist falsch, hält sich aber hartnäckig in den Köpfen vieler Gläubigen. Ethik und Moral ist bei allen Menschen auf dieser Erde vorhanden, egal ob diese an einen, an mehrere oder an gar keinen Gott glauben. Die Evolution und die soziale Verhaltensstruktur des Homo sapiens führten zu Gesellschaften mit unterschiedlichen Kulturen und Traditionen, weil sich diese in ihrem Kulturkreis bewährt haben. So ist es nicht verwunderlich, dass das Töten eines anderen Menschen oder Inzest in praktisch allen Gesellschaften als etwas verwerfliches angesehen wird. Das die Bibel ethische und moralische Leitplanken beinhaltet ist nachvollziehbar, denn als Ratgeber für ein gottesfürchtiges Leben macht es durchaus Sinn diese niederzuschreiben, ähnlich unseren Gesetzen, die das Zusammenleben in einer komplexen Gesellschaft erst möglich macht. Wer sich die heutigen Lebensratgeber durchliest, kann erkennen wie aktuelle Moral- und Ethikvorstellungen sich darin widerspiegeln. Moral und Ethik sind zudem keine starre Regeln, sondern können sich auch ändern. So werden beispielsweise in Europa keine Ketzer mehr verbrannt und Sex mit zwei unverheirateten Menschen ist nicht mehr etwas unmoralisches.

Die Wissenschaft irrt sich regelmässig
Das ist richtig und auch völlig normal. Wissenschaft erhebt nicht den Anspruch die absolute Wahrheit zu kennen. Wissenschaft falsifiziert, dies bedeutet, es werden neue Erkenntnisse mit den bekannten und vorhandenen Mitteln auf Fehler überprüft um zu sehen, ob diese einer Prüfung standhalten.

Drei Beispiele
Ein Jäger steigt vor 9000 Jahren auf einen Berg und schaut sich um und sieht das Land hört am Horizont auf. Die Erde muss wohl eine Scheibe sein.

Im Altertum beobachtete man bei Schiffen, dass der Rumpf vor den Segeln am Horizont verschwanden, wenn diese von der Küste aus auf das offene Meer fuhren. Die Erde musste also eine Kugel sein, was damals schon ziemlich genau berechnet wurde.

Dank GPS wissen wir heute, dass die Erde nicht eine gleichmässige Kugel ist, sondern wegen der Erdrotation am Äquator hin dicker ist.

Alle drei Beispiele zeigen auf, dass durch Beobachtungen und den entsprechenden Methoden welche zu jener Zeit zur Verfügung standen, unterschiedliche Ergebnisse für das ein und dasselbe Objekt zustande kamen. Die Wissenschaft hat hier nicht versagt sondern das Wissen kontinuierlich erweitert und den neuen Ergebnissen angepasst.

Die Evolutionstheorie ist nur eine Theorie
Eine Theorie mit Hand und Fuss, ein Arbeitsmittel, welches nahezu 100 Prozent alle Fragen beantworten kann.
Es gibt noch offene Fragen bei manchen Gattungen, bei denen der “Missing Link” noch nicht gefunden wurde, so auch der Übergang zwischen Primat und Mensch. Bei anderen Fossilien wurden Bindeglieder entdeckt, welche die unterschiedlichen Evolutionsstufen klar aufzeigen. Das Negieren der Evolutionstheorie wirft die Frage nach einen anderen, besseren Erklärungsmodell auf, was Bspw. der Kreationismus definitiv nicht beantworten kann.

Das Leben ist viel zu komplex um spontan entstanden zu sein, es muss einen Schöpfer geben!
Der Denkfehler liegt hier in der Annahme, alles wurde nach Plan erschaffen und hat sich seitdem nicht mehr verändert. Nach dieser Prämisse ausgehend wäre es tatsächlich unwahrscheinlich, nicht von einem Schöpfer ausgehen zu wollen. Die Prämisse ist aber falsch, denn es wird angenommen, dass nur ein Schöpfer komplexes Leben erschaffen kann, weil das Leben eben zu komplex ist, ohne das Zutun eines Schöpfers. Da der Schöpfer selbst schon immer existierte und kein anderer Schöpfer diesen erschuf, ist es folglich auch möglich, dass sich Leben ohne das Zutun eines Schöpfers entwickeln kann. Der Schöpfer ist in dieser Frage nicht nötig um komplexes Leben erklären zu können.

Die Tatsache, dass schon über 99 Prozent aller Lebewesen die jemals auf dieser Erde lebten ausgestorben sind, spricht gegen “Intelligentes Design”. Zudem wurde von Stanley Miller im Jahr 1953 experimentell nachgewiesen, dass unter bestimmten Bedingungen organische Moleküle entstehen können, Bedingungen, die vor gut 4 Milliarden Jahren herrschten und Leben auf der Erde hervorbrachte.

Atheismus bringt Menschen wie Adolf Hitler hervor!
Hier wird versucht einen Zusammenhang zwischen einem Massenmörder und Atheismus aufzuzeigen.
Ob Adolf Hitler tatsächlich ein Atheist war ist zudem umstritten, aber auch völlig irrelevant, da es zwischen einem Massenmörder und Atheismus keinen kausalen Zusammenhang gibt.

Adolf Hitler ass Brot und trug Schuhe, was sagt uns dies über Brotesser und Schuhträger aus?

Der Diktator Bokassa hat während seiner Amtszeit in Afrika massive Verbrechen an der Menschlichkeit begangen. Er war Christ. Was sagt uns dies über Christen aus?

Daniel Schurter ist Atheist und kein Massenmörder, was sagt uns dies über Atheisten aus?

Post to Twitter Post to Facebook Send Gmail