US-Forscher tüfteln am Synthetik-Schnitzel

Tuesday, 8. March 2011 at 21:29 Uhr

Quelle: tagesanzeiger.ch

In Amerika arbeiten Wissenschaftler mit Hochdruck an der Entwicklung von künstlichem Fleisch. Was nicht eben appetitlich tönt, soll positive Nebeneffekte haben. Im August kann man das Fleisch erstmals probieren.

Der Gedanke an ein Schnitzel aus dem Bioreaktor lässt nicht jedermann das Wasser im Mund zusammenlaufen. Aber Vladimir Mironov von der Medical University of South Carolina in Charleston ist vom Sinn des Projekts überzeugt. «Denken Sie an das Bevölkerungswachstum, oder auch an die Besiedlung des Weltraums», sagt er.

«Schon heute gibt es etwa in Singapur oder in New York keinen Platz mehr für Tierzucht», sagte Mironov. Kunstfleisch sei «praktisch und natürlich» – und schade dem Konsumenten keinesfalls. Es könne einen Beitrag leisten gegen die weltweite Nahrungsmittelknappheit.

Ich gebe dem künstlichen Fleisch eine Chance, schliesslich lassen wir unsere Geschmacksnerven auch vom Erdbeeraroma aus Schimmelpilz und künstlichen Süssstoffen überlisten. Das Märchen mit der Nahrungsmittelknappheit auf unserem Planeten sollte man in einer aufgeklärten Gesellschaft wirklich nicht mehr erzählen. Wir “hätten” genug Lebensmittel für alle Menschen, die Verteilung der Nahrung, der Mangel an Geld um sich Lebensmittel kaufen zu können und eine traurige Subventionspolitik der Industrienationen gegenüber den Entwicklungsländer führen letztendlich zu dieser Misere.

Inzwischen setzt die Nasa aber auf proteinhaltige Pflanzen. Als Finanzierer für Mironovs Arbeit ist die Tierschutzorganisation PETA eingesprungen. Das Forschungsprojekt steht vor einigen grossen Hürden. Saftige Steaks wachsen nicht über Nacht unterm Mikroskop, die Technik lässt bislang keine Fleischzucht in grossen Mengen zu.

Mironov glaubt aber, dass Retortensteaks in Zukunft Realität sein könnten: «Es ist eine Frage der Zeit und eine Frage des Geldes.» Für ihre Versuche entnehmen Mironov und sein Forscherkollege Nicholas Genovese embryonische Muskelzellen aus dem Truthahn, sogenannte Myoblasten.

Die entscheidende Frage wird sein: Wie viel Energie wird für eine Kalorie Synti-Fleisch aufgewendet? Daran und am Geschmack wird sich zeigen, ob Synthetik-Schnitzel eine nachhaltige Zukunft haben werden.

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